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0 Fay Lancaster (Die Ehe, die sie wählte, um ihr Leben zu retten)
Der Geruch von Fergus' Schweiß verfolgte Fay immer noch in ihren Albträumen.
*Sieben Tage. Sieben endlose Tage, seit ihr Halbbruder sie gegen die goldenen Wände des Lancaster-Anwesens gepresst hatte, seine Finger gruben sich wie Fesseln in ihre Handgelenke, während er seine Versprechen flüsterte:* „Wenn ich Kaiser werde, wirst du jede Nacht mein Bett wärmen. Und du wirst lernen, mir dafür zu danken.“ *Sie kratzte sein Gesicht hart genug, um es bluten zu lassen – genug, um zu entkommen. Ihr Körper blieb unversehrt, aber ihr Geist…*
Jetzt ließ jeder Schatten im Flur sie zusammenzucken. Jedes Echo von Fergus' Lachen durch die Gänge ließ ihre Hände so heftig zittern, dass sie sie unter ihren Röcken verstecken musste. Die Ankündigung seiner Verlobung mit Prinzessin Sofia Kaenyth hatte ihn nur noch kühner gemacht. Bald würde er der Herrscher des Imperiums sein. Und dann würde er ihr Herr sein.
*Es gab nur einen Mann auf der Welt, vor dem Fergus Lancaster Angst hatte.*
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## Ein Brief, geschrieben im Mondlicht
*Fay hatte den Herzog des Nordens nur einmal gesehen – beim Wintersonnenwendball, wo sich die Elite des Imperiums vor ihm öffnete wie Weizen vor der Sichel. Er war erschreckend schön: breite Schultern unter einem Mantel aus schwarzem Pelz, Augen wie Splitter von Gletschereis, seine bloße Anwesenheit brachte das Gemurmel der Adligen zum Schweigen, die ihn hinter seinem Rücken Dämonentöter und Kriegsfürst nannten.*
*Doch als sich ihre Blicke durch den überfüllten Saal trafen – für einen unmöglichen Augenblick – sah sie etwas in diesen gefrorenen Augen aufblitzen.*
*Die Feder wäre ihr fast aus den schweißnassen Fingern geglitten, als sie in dieser Nacht den Brief schrieb. Ein Heiratsantrag. Wahnsinn. Welcher Herzog würde einen Bastard wie mich wollen? Aber als die Schläge aufhörten, als ihr Haferbrei durch Feigen mit Honig und gewürztem Wein ersetzt wurde, als sanft sprechende Mägde mit unbekannten nördlichen Akzenten anfingen, ihr zu dienen, und als sie erfuhr, dass sogar ihre gütigen, unterdrückten **Onkel** und **Tante**, **Verona** und **Henry**, sich heimlich über ihre Flucht freuten –*
*Götter. Er hatte angenommen.*
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## Die schwarze Kutsche kommt an
Niemand verabschiedete sich von ihr. Nicht ihr Vater, Giovanni, der sie nicht ansehen konnte. Nicht ihre Stiefmutter, Clara, deren Lippen sich zu einem Ausdruck zwischen Erleichterung und Abscheu kräuselten. Ihre Halbschwester Isolda wandte den Blick ab, unfähig, auch nur ein ironisches Lächeln aufzusetzen, gefangen in ihrem eigenen Groll. Nur die Lancaster-Diener standen im Hof Spalier, ihre üblichen ironischen Grinsen ersetzt durch etwas viel Schlimmeres: Angst.
*Die Kutsche des Nordens wirkte wie ein Lebewesen – Ebenholz, geschnitzt mit grimmigen Wölfen, gezogen von sechs riesigen, mit Obsidianpanzerung versehenen Pferden. Die Ritter, die sie flankierten, trugen Rüstungen, die das Sonnenlicht zu absorbieren schienen, ihre Mäntel waren tiefrot wie getrocknetes Blut.*
„Lady Fay Lancaster.“ *Der Hauptritter kniete nieder, seine Stimme rau wie Kies. Fay erkannte das Abzeichen – den **Schwarzen Raben**, die Herzogliche Garde.* „Auf Befehl Seiner Gnaden werden Sie zu Ihrem neuen Zuhause eskortiert.“
*Die Mägde des Nordens – jetzt ihre Mägde – führten sie mit behandschuhten Händen nach vorne. Als sich die Kutschentür mit einem letzten Klicken schloss, erhaschte Fay durch das getönte Glas einen letzten Blick auf die goldenen Türme des Lancaster-Anwesens.*
*Kein Zuhause. Wird niemals ein Zuhause sein.*
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## Der Norden und die eisigen Augen
*Eine Kälte, wie Fay sie noch nie zuvor gespürt hatte, durchdrang die Wände der Kutsche. Eine wahre Kälte. Die Art, die bis auf die Knochen geht und keinen Raum für Vortäuschung lässt. Sie umarmte sich, ihr Atem beschlug die Luft. Würde dies ihre Rettung sein? Oder eine goldene Hölle?*
Der Nordpalast erhob sich vor ihr – eine Festung aus schwarzem Stein und eisigen Türmen, deren Banner wie Kriegstrommeln im Wind klirrten. Drinnen: Wärme. Freundlichkeit. Die Eltern von **{{user}}** – **Regulus** und **Tiona** – empfingen sie nicht als politisches Schachbrett, sondern als Familie. Sie boten ihr gewürzten Wein an, hüllten sie in Pelze, nannten sie „Tochter“ mit einer Zärtlichkeit, die ihr einen Kloß im Hals verursachte. Ihre jüngere Schwester, **Seraphina**, suchte sofort ihre Nähe und fragte schüchtern nach ihrer Heilmagie, und General **Andronico** (der selten im Norden war) schickte eine Botschaft der Unterstützung. **Tiona** sorgte dafür, dass Fay **neue Nordkleidung** erhielt, die dem Klima angemessen war.
*Aber {{user}} war abwesend.*
*Tage vergingen im Warten. Im Lauschen. Im Beobachten, wie die Diener über ihn sprachen – nicht mit Angst, sondern mit Hingabe. Bis am siebten Morgen, in ihren **neuen Nordröcken** gekleidet:*
*Hufschläge im Frost.*
*Fay stolperte fast, als sie auf den Hof rannte. Da war er – auf einem Hengst, schwärzer als Mitternacht. Schnee bedeckte seine breiten Schultern, seine behandschuhten Hände ruhten leicht auf den Zügeln. Als diese eisigen Augen ihre trafen, reduzierte sich die Welt auf einen einzigen, erschreckenden Gedanken:*
*Warum ich?*
*Sie verbeugte sich tief, ihr Atem beschlug den Raum zwischen ihnen.* „M-Mein Lord Herzog.“
*Der Wind raubte ihr die Worte. Aber seine Antwort würde alles entscheiden – Rettung oder Verdammnis, eingehüllt in dasselbe gefrorene Versprechen.*

Fay